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SIEG NACH BLAMAGE

Schweiz macht KATARstrophe gegen Bosnien vergessen

krone Sport

KATARstrophe? Fehlstart in die 23. Fußball-WM der Geschichte? Alles vergessen! Die nach der 1:1-Blamage gegen Underdog Katar zum Gruppe-B-Auftakt in ihrer Heimat in der Luft zerrissenen Schweizer fanden mit dem heutigen 4:1-Sieg gegen Bosnien und Herzegowina wieder auf die Siegerstraße und ziemlich sicher auch in die Spur Richtung K.-o.-Phase zurück. Bei nun vier Punkten der Eidgenossen müsste es schon mit dem Teufel zugehen, damit sie das Sechzehntelfinale noch verpassen ...


5,5 Milliarden Dollar schwer und trotz des ungewöhnlich frühen Anpfiffs um 12 Uhr Ortszeit berstend voll – an der Kulisse im Los-Angeles-Stadion lag es nicht, dass weder Schweizer noch Bosnier einen teuflisch aufregenden Start ins Spiel hinlegten. Vom Anstoß weg preschte die von „Drachen“-Trainer Sergej Barbarez gegenüber der Auftaktpartie gegen Kanada an drei Positionen veränderte Mannschaft – Edin Džeko statt Jovo Lukić ganz vorne, Kerim Alajbegović statt Esmir Bajraktarević auf der rechten Außenbahn und Ivan Šunjić statt Ivan Bašić im zentralen Mittelfeld – nach vor.

Bild: AP/Gregory Bull

Bild: AP/Andre Penner

Beinahe peinliche Expected-Goals-Werte
Nur mit Glück kam Michel Aebischer bereits in der 2. Minute nach einem Foul an Alajbegović ohne Gelb davon – und aus dem folgenden Freistoß erzwangen die Bosnier dann auch einen Eckball. Traurig, aber wahr: Nachdem aus diesem nichts herausschaute, war es mit der bosnischen Herrlichkeit vorerst vorbei.

Immer mehr übernahmen die Eidgenossen das Kommando, bei denen gegenüber der KATARstrophe Silvan Widmer für Denis Zakaria und Fabien Rieder für Rubén Vargas in die Startelf gerückt waren. Freilich: Echte Torgefahr wussten die Schützlinge von Murat Yakin nicht auszustrahlen – bereits an dieser Stelle seien die Expected-Goals-Werte nach der ersten Spielhälfte angeführt: Die Schweiz hielt bei 0,06 und die Bosnier hielten bei 0,18 – Bedarf an Blutdruck-Senkern hatten weder „Nati“-Keeper Gregor Kobel noch sein „Drachen“-Pendant Nikola Vasilj …

Präzision, Übersicht, Glück und Können fehlten
Das eine oder andere Mal hätte durchaus etwas passieren können, doch faktisch haperte es bei beiden Teams an Präzision, Übersicht, Glück oder schlichtweg auch am Können. Aber so wie Tarik Muharemović eine Hereingabe von Ricardo Rodríguez zur Ecke abwehren konnte (wenn auch etwas patschert/6.), scheiterte Granit Xhaka mit einem Weitschuss an einem bosnischen Spielerkopf (8.) und auch Dan Ndoye traf nach Zuspiel von Xhaka und schneller Drehung von der Strafraumgrenze aus nur das Außennetz (10.).

Ndoye zeigte dann auch in der Folge mehrere Male (13./Fersler-Versuch, 19., 20./besserer „Rückpass“), dass er bei aller Agilität und Laufstärke alles andere als ein Goalgetter-Typ ist. Für Bosnien war zwischenzeitlich Florian Wiegeles Pilsen-Kamerad Amar Memić bei einem schnellen Konter vor das Schweiz-Tor gekommen, er hatte aber weit drüber geschossen …

Bild: AP/Jayne Kamin-Oncea

Hydration Break bringt Schweiz aus dem Tritt
Wie bereits öfter bei dieser WM brachte dann die „Hydration Break“ die zuvor bessere Mannschaft aus dem Tritt. Waren die Schweizer zuvor bei aller Ungefährlichkeit zumindest optisch überlegen gewesen, war es nun auch damit vorbei, und die Bosnier erinnerten nun wieder ein wenig an die Bosnier der ersten paar Minuten, auch dank der taktischen Umstellung von Trainer Barbarez vom anfänglichen 4-4-2 auf eine Fünfer-Abwehr – was den nun drei statt zwei zentralen Verteidigern einen besseren Zugriff auf die Schweizer Offensiv-Leute ermöglichte. Um Missverständnissen vorzubeugen: Echte Torchance hatten auch Džeko und Co. nicht, für einige „Beinahe-Möglichkeiten“ reichte es allerdings. Etwa durch Memić, der nach einer Džeko-Flanke im Strafraum aber am Ball vorbeischlug (32.). Oder durch Džeko, dessen Abschluss aus 14 Metern aber geblockt wurde (41.).

Welche Worte auch immer die Trainer Yakin und Barbarez in der Pause für ihre Spieler gefunden haben mögen, es müssen kluge gewesen sein: Denn bald einmal suchten sowohl die Schweizer als auch die Bosnier ihr Heil nicht nur in der Offensive, sie fanden es auch. Mit nunmehr „echten“ Torchancen, für die zunächst wieder Ndoye verantwortlich zeichnete: In Minute 51 zwang er mit einem Versuch aufs kurze Eck Vasilj zu einer Parade und fünf Minuten später blieb der Bosnien-Goalie auch bei seinem spektakulären Fallrückzieher der Sieger. Vielleicht eh besser so, denn der Zauber-Treffer wäre wegen eines Abseitsvergehens nicht gegeben worden ...

Džeko-Auswechselung zum Nachteil der Bosnier
Zwischenzeitlich prüfte der Ex-Salzburger Amar Dedić zum Abschluss eines Konters Schweiz-Keeper Kobel mit einem Distanzschuss (69.) – und zeigte dem vor der Partie favorisierten Team aus der Schweiz damit, dass dieses trotz der nun zunehmenden Kontrolle, beinahe schon Dominanz auf der Hut bleiben sollte. Kurz zuvor war übrigens Džeko ausgewechselt worden (63.) – ein Austausch, der sich noch rächen sollte, denn ohne ihren Altstar auf dem Platz verlor das Spiel der „Drachen“ langsam, aber sicher an Struktur …

Bild: AP/Jayne Kamin-Oncea

Vermeintlich eher zur Unzeit brach in Minute 70 erneut die inzwischen obligatorische Trinkpause über die Schweiz herein – doch anders als in der ersten Hälfte ließ man sich davon nicht beeindrucken, ganz im Gegenteil! Johan Manzambi - neben Djibril Sow und Rubén Vargas einer von drei voll einschlagenden Eingewechselten während der Hydration Break – erlöste die auf Zack bleibenden Eidgenossen und traf mit seiner ersten Aktion zum 1:0, nach Vargas-Flanke und zu zentraler Kopfball-Abwehr mit einem Volley-Kracher unter die Latte.

Bild: AFP/HARRY HOW

Völlig verrückte Schlussphase
Danach ging es Schlag auf Schlag: Noch bevor sich die Bosnier richtig von dem Gegentor erholt hatten, verloren sie Verteidiger Muharemović durch eine Rote Karte – der Klagenfurter hatte sich bei einem Konter der Schweizer gegen Embolo nur mehr mit einem Foul behelfen können (81.). Drei Minuten später sorgte Vargas, der beim 1:0 noch „nur“ Assistgeber gewesen war, mit seinem Treffer zum 2:0 flach ins lange Eck für die Entscheidung.

Gebürtiger Welser Mahmić trifft für Bosnien
Wieder fünf Minuten später war es erneut Manzambi, der nach öffnendem Pass von Xhaka und einem Energieanfall von Vargas dessen Flanke zum 3:0 verwertete. Doch die vor allem in der ersten Spielhälfte so geizig mit Torchancen gewesenen Teams hatten noch immer nicht genug: In Minute 93 spielte sich der gebürtige Welser Ermin Mahmić in den Vordergrund, der nach einem Eckball für Bosnien die lauwarme Faustabwehr von Kobel zu einem Gewaltschuss von der Strafraumgrenze nutzte – und mit rund 115 km/h traf.

Die große Chance, das Ruder noch einmal herumzureißen, in einer Art Fußball-Märchen wieder ins Spiel zurückzukommen? Nein! Denn Schweiz-Captain Xhaka ist offensichtlich kein Freund von Happy Ends für den Gegner: Nach einem Strafraum-Foul von Memić am eingewechselten Djibril Sow zeigte Schiri Pinheiro ohne Zögern auf den Punkt – und Xhaka verwertete vom Punkt trocken und humorlos (98.).

Das Ergebnis:
Schweiz – Bosnien und Herzegowina 4:1 (0:0)
Inglewood, SoFi Stadium, 70.026 Zuschauer, Schiedsrichter Joao Pinheiro (Portugal)

Tore:
1:0 (74.) Manzambi, 2:0 (84.) Vargas, 3:0 (90.) Manzambi, 3:1 (93.) Mahmić, 4:1 (90.+7/Elfer) Xhaka

Rote Karte: Muharemovic (80., Verhinderung einer Torchance)

Gelbe Karten: Elvedi bzw. Dedic, Dzeko

Schweiz: Kobel – Widmer (86. Jaquez), Elvedi, Akanji, Rodriguez – Aebischer (72. Sow), Xhaka, Freuler – Rieder (72. Vargas), Embolo (89. Itten), Ndoye (72. Manzambi)
Bosnien-Herzegowina: Vasilj – Dedic, Katic, Muharemovic, Kolasinac – Memic, Tahirovic (63. Basic), Sunjic (85. Hadziahmetovic), Alajbegovic (91. Mahmic) – Demirovic (85. Lukic), Dzeko (63. Bajraktarevic)


Das Video und mehr zu diesem Beitrag gibt es auch auf krone.at.

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