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Kronen Zeitung

12.06.2026, 22:57 Uhr
Bosnien und HerzegowinaKanada

MIT 1:1 GEGEN BOSNIEN

Historisch! Kanada holt erstmals Punkt bei WM

krone Sport

Sechs Mal hatten sie es bisher in Gruppen-Spielen probiert und sechs Mal war nichts passiert, aber beim siebenten Versuch hat’s geklappt – Kanada hat erstmals überhaupt in der Fußball-Historie einen Punkt bei einer Weltmeisterschaft eingefahren! Vor rund 43.000 Zuschauern im BMO Field im heimatlich-kanadischen Toronto rannten die „Ahornblätter“ gegen Bosnien und Herzegowina zwar lange einem Rückstand nach, am Ende sorgte der Treffer von Cyle Larin dann aber doch noch für das historische Ergebnis …


Während bei der Intonation der Hymnen beider Länder die Kanadier mit ihrem melodischen, aber trotzdem nach vorwärts drängenden „O Canada“ gegenüber dem bedächtig-traurig-feierlichen „Intermeco“ Bosniens noch die ersten „offensiven Akzente“ setzen konnten, war es mit Sturm und Drang von Jonathan David und Co. nach dem Anpfiff durch Schiri Facundo Tello bald vorbei. Die Bosnier, die in der FIFA-Weltrangliste als 60. deutlich hinter den Platz 30 einnehmenden Kanadiern liegen, starteten ohne großes Abwarten in ihr historisch gesehen erst viertes Spiel bei einer WM.

Bild: APA/Getty Images via AFP/GETTY IMAGES/MICHAEL STEELE

Bild: APA/Getty Images via AFP/GETTY IMAGES/MICHAEL STEELE

Bosnien mit viel Anfangsdruck
Wie die Gastgeber grundsätzlich in einem variablen 4-4-2 auflaufend, gehörten die ersten Minuten der Partie klar den Balkan-Kickern. Kein Wunder daher, dass die erste Chance des ersten Spiels in WM-Gruppe B auf das Konto der mit dem gebürtigen Klagenfurter Verteidiger Tarik Muharemović in der Startelf spielenden Bosnier ging: Nach einem Freistoß von Sead Kolašinac legte Nikola Katić in der 3. Minute per Kopf aus dem Strafraum in den Rückraum zurück, von wo aus Amar Memić aus rund 15 Metern abzog – allerdings weit drüber schoss. Glück für Kanada …

Auch in Minute 12 hatten die „Ahornblätter“ ein bisschen Glück, hätte sich Schiri Tello doch bei einem Foul von hinten von Alistair Johnston an Memić bei einer strengeren Regelauslegung wohl auch für eine Rote statt einer Gelben Karte entscheiden können. Bosnien-Captain Kolašinac hatte ihm dies eindrücklich „nahegelegt“, doch der Argentinier blieb bei seiner Entscheidung.

Bild: AP/Frank Gunn

Lukić köpfelt Bosnier verdient in Führung
Nach der ersten Riesenchance für die scheinbar langsam aufkommenden Kicker von Ex-Salzburg-Trainer Jesse Marsch – Offensiv-Star David scheiterte aus rund 12 Metern nach einem „Geschenk“ von Marschs früherem Salzburg-Schützling Amar Dedić am Bosnien-Goalie – schlug es nicht lange danach im kanadischen Tor ein. Einen Eckball von Ivan Bašić verlängerte Kolašinac vom ersten Pfosten aus ins Zentrum weiter und dort köpfelte Jovo Lukić ein (21.) – 1:0 für Bosnien, ein Tor zur Freude der zahlreichen Fans der „Drachen“, die das Duell gegen Kanada zumindest zu einem halben Heimspiel machten.

„Expected Goals“ zur ersten Spielhälfte? 0,57 gegen 0,79
Das eigentliche Heimteam war nun in Not, die Marsch-Elf brauchte einige Minuten, um den Schock des Gegentors zu verdauen. Gegen die mit der Führung im Rücken nun tiefstehenden und zeitweise hinten mit einer Fünferkette verteidigenden Bosnier gestalteten sich die Offensiv-Bemühungen aber als durchaus zäh. Bis zum Pausenpfiff bauten die Kanadier ihre Dominanz in Sachen Ballbesitz auf 67 Prozent aus.

Bild: AP/NATHAN DENETTE

Aber eine große Torchance, mit der man Bosnien-Goalie Nikola Vasilj zu einer Parade zwingen hätte können? Fehlanzeige! Ein Weitschuss von Tani Oluwaseyi (32./drüber), ein verhunzter Fallrückzieher von David (38.) und ein Kopfball von Derek Cornelius (45.+2/drüber) waren am ehesten noch im weitesten Sinne als gefährlich zu bezeichnende Aktionen. Und was sagte der neuerdings so beliebte Statistik-Wert „Expected Goals“ zur ersten Spielhälfte? 0,57 gegen 0,79 – also deutlich ausbaufähig …

Der zweite Durchgang begann dann zwar ohne Wechsel, dafür aber mit einigen Paukenschlägen in Form von guten Möglichkeiten für Kanada. Nachdem er im Strafraum Katić aussteigen hatte lassen, zwang Oluwaseyi Bosnien-Keeper Vasilj in extremis zum Eingreifen (47.). Fünf Minuten später ließ eine brillante Kombination über links Richie Laryea am Fünfer plötzlich frei zum Schuss kommen – während Goalie Vasilj dem Ball geschlagen nachschaute, reagierte Kolašinac geistesgegenwärtig und lenkte den Ball noch an die Querlatte.

Bild: AP/NATHAN DENETTE

Bild: AP/NATHAN DENETTE

Beinahe im direkten Gegenzug hatten wiederum die „Drachen“ die Chance auf das 2:0, doch Ermedin Demirović ging bei einem Sololauf aufs kanadische Gehäuse ein bisschen die Luft aus und er brachte die Kugel nicht am herauslaufenden Keeper Maxime Crépeau vorbei (54.).

Kanadier legen zu, haben aber kein Glück
Die Bosnien-Chance blieb allerdings eine Ausnahme, drängten die Kanadier mit großer Vehemenz und Leidenschaft, aber weiterhin zu wenig Präzision (und wohl auch Glück!) auf den Ausgleich. Halbchancen des eingewechselten Promise David (63.) und von Stephen Eustáquio (64./Weitschuss klar vorbei) folgte dann aber die nächste Riesenchance für die „Ahornblätter“: Wieder einmal war der sehr umtriebige Villarreal-Offensive knapp am Torerfolg, als er eine Shaffelburg-Flanke an Vasilj vorbei Richtung Torlinie köpfelte – doch diesmal machte Katić wie zuvor Kolašinac einen auf Spielverderber und köpfelte die Kugel aus dem Gefahrenbereich (66.).

Eine der neuerdings obligatorischen Trinkpausen kurz darauf würgte den kanadischen Sturmlauf dann scheinbar ab, die Marsch-Truppe kam einige Minuten lang nicht mehr richtig in die gefährlichen Zonen, zu tief und zu sicher stellten sich die Bosnier den Angriffen entgegen. Und doch scheiterten sie letztlich in ihren Bemühungen, den Dreier abzusichern: Der kurz zuvor eingewechselte Cyle Larin nahm einen schwierigen Steilpass von Promise David ideal an, drehte sich an der Strafraumgrenze mit dem Rücken zum Bosnien-Gehäuse um die eigene Achse sowie den Gegenspieler und zog mit links ab – keine Chance für Vasilj, Ausgleich für Kanada (79.).

Bild: AP/Sammy Kogan

Chance auf Aufstieg in K.-o.-Runde lebt für beide Teams
Die am Anfang der Partie längere Zeit so bissig und gefährlich wirkenden „Drachen“ waren nun stehend k.o., wirkten von Minute zu Minute zahnloser und harmloser. Doch irgendwie schafften sie es doch noch, sich über die Zeit zu hangeln, sich mit Mann und Maus verteidigend. Bezeichnend die letzte Offensiv-Aktion, als sich zwei Bosnier beherzt in einen Schuss von Torschütze Larin warfen. Mit Erfolg, den bald danach war alles aus – und letztlich lässt das Remis die Hoffnung beider Teams auf einen Aufstieg in die K.-o.-Runde am Leben. Während es sowohl für die Kanadier als auch für Bosnien und Herzegowina gegen die Schweiz schwierig werden dürfte, sollte gegen Katar einiges möglich sein …

P.S.: Während Kanada gegen Bosnien nach Toren „nur“ ausgleichen konnte, wurde die Partie nach Expected Goals sogar gedreht, nach dem Schlusspfiff standen Werte von 1,25 und 0,98 zu Buche …

Das Ergebnis:
Kanada – Bosnien und Herzegowina 1:1 (0:1)

Toronto, BMO Field, 43.002 Zuschauer, Schiedsrichter Facundo Tello

Tore: 0:1 (21.) Lukić, 1:1 (78.) Larin

Gelbe Karten: Johnston, De Fougerolles bzw. Demirovic, Lukic, Katic

Kanada: Crepeau – Johnston, De Fougerolles, Cornelius, Laryea – Buchanan (61. Ahmed), Eustaquio (91. Osorio), Kone, Millar (61. Shaffelburg) – J. David (61. P. David), Oluwaseyi (76. Larin)
Bosnien: Vasilj – Dedic, Katic, Muharemovic, Kolasinac (83. Burnic) – Bajraktarevic (74. Sunjic), Basic (61. Gigovic), Tahirovic, Memic (74. Alajbegovic) – Demirovic, Lukic (61. Bazdar)


Das Video und mehr zu diesem Beitrag gibt es auch auf krone.at.

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